Kartonagenverklebungs-Steuerung 4.0

Kartonagenverklebungs-Steuerung 4.0

Kartonagenverklebungs-Steuerung 4.0

Seit mehr als 40 Jahren zählt die A + F Automation + Fördertechnik GmbH auch international zu den führenden Anbietern von Endverpackungs-Maschinen und Komplettkonfigurationen. Als weiteren Beweis seiner stetigen Innovationskraft präsentierte das im nordrhein-westfälischen Kirchlengern ansässige Unternehmen auf der diesjährigen Interpack den neuen Steigenaufrichter 216-S, in dessen Steuerung interessanterweise die Kontrolle über das Hotmelt-Auftragssystem des langjährigen Partners Nordson nicht nur direkt eingebunden ist, sondern auch von außerhalb der Anlage geregelt werden kann.   

Damit darf der insbesondere für die Milch- bzw. Foodindustrie konzipierte Steigenaufrichter neben seinen technischen Finessen ebenfalls im Hinblick auf das Kartonagenverklebungs-Management durchaus als zukunftsweisend bezeichnet werden. Standardmäßig ist die Maschine mit einem ProBlue-Auftragssystem und pneumatischen Applikatoren des US-amerikanischen Klebetechnikspezialisten Nordson Corporation ausgestattet, dessen Europa-Zentrale in Erkrath ansässig ist.

Im konkreten Fall der in Düsseldorf gezeigten Anlage war ein Schmelzgerät der Baugröße 10 installiert, das fünf Auftragsköpfe der als Industriestandard geltenden MiniBlue II-Serie mit Heißleim versorgte. Sie arbeiten mit einer minimalen Schaltzeit von 2 ms und zeichnen sich durch eine hohe Standzeit von mehr als 100 Mio. Zyklen aus. Um alle Verklebungsaufgaben erfüllen zu können, waren drei Köpfe in der vollisolierten Slim-Ausführung sowie je ein zwei- und dreimoduliger MiniBlue II-Sonderapplikator im Einsatz.

Integration in die Maschinensteuerung

Als Besonderheit ist die Regelung und Überwachung dieser Konfiguration via Profibus in das HMI der Hauptmaschine eingebunden. Nordson offeriert seit Kurzem für alle marktgängigen Steuerungen sogenannte PMI-Starterkits (Parent Machine Integration), die den Zeitaufwand für die Programmierung auf weniger als einen Tag, in manchen Fällen sogar auf weniger als eine Stunde reduzieren. Die Messemaschine war mit einem Simatic-HMI Comfort Panel ausgestattet. A + F bietet selbstverständlich auch die Integration von Allen-Bradley- oder Schneider-Komponenten an.

Die auf der Nordson-Website als kostenloser Download zur Verfügung stehende Software ermöglicht die Erstellung eines individuellen und intuitiven Bedienfelds für jedes Gerät, also auch für den Melter. Dabei sind die Steuerungs- und Kontrollfunktionen nochmals erweitert worden, so dass nahezu alle Daten des Schmelzgeräts eingestellt, ausgewertet und gesammelt werden können. Dies ist in jeder Hinsicht für den Maschinenbediener komfortabel und übersichtlich, da alle relevanten Parameter auf einen Blick verfügbar sind.

Um den Verklebungsprozess vollends komfortabel zu gestalten, wurde aktuell die Möglichkeit geschaffen, das System auch in räumlicher Distanz zu der Maschine online zu kontrollieren. Dies erfolgt über einen Tablet-PC und bietet dem Bediener eine interessante zusätzliche Option.

Servoantriebe mit virtueller Königswelle

 Auch weitere technische Merkmale des neuen, eine Leistung von 3.000 Kartons pro Stunde realisierenden Steigenaufrichters 216-S sind bemerkenswert. Die getaktete Maschine ist mit bis zu zwölf, möglichst nah an den Faltelementen angeordneten Servoantrieben ausgestattet, die von einer virtuellen Königswelle angesteuert werden. Das horizontale Zuschnittmagazin hat eine Aufnahmelänge von 900 mm und eine Ladehöhe von ca. 800 bis 1.000 mm; in Abhängigkeit vom Zuschnitt. Eingesetzt werden E-Welle oder 0,8-mm-Vollpappe.

Aus den Kartonagen-Zuschnitten können diverse Steigenvarianten gebildet werden: gerade, innen oder außenkonische Lochsteigen, mit oder ohne Stapelecken. Zur Gewährleistung einer hohen Wiederholgenauigkeit werden alle Falt- und Formvorgänge gegen einen festen Kern ausgeführt. Flexibel ist ebenfalls der Formatbereich. Die Abmessungen der Trays liegen zwischen 200 x 150 x 25 mm und 400 x 400 x 50 mm (L x B x H). Die Ecklaschenhöhe differiert von 25 bis 140 mm.

Eine besondere Erwähnung verdient der Einbau von „Kontrollspots“ in der Maschine. Davon gibt es vier Stück, die am Zuschnittabzug und in den drei Form- bzw. Faltstationen positioniert sind. Sie dienen der schnellen Fehlererkennung und –ortung. Der Maschinenbediener wird sofort auf den Ort des Fehlers hingewiesen und muss nicht zusätzlich auf das Bedienpult schauen. Somit werden kurze Reaktionszeiten realisiert.

 

Bernd Neumann

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